Meine Mission

Kai, was treibt dich als Zukunftsforscher an?

Ich verfolge mit meiner Berufung zwei Ziele: Erstens Bildung. Wenige Menschen haben die Möglichkeit, sich den ganzen Tag mit Trends zu beschäftigen. Dieses Privileg ist Zukunftsforscher*innen wie mir vorbehalten. Wir häufen dabei Berge an Informationen an und sehen Zusammenhänge, die für so viele Menschen, Institutionen und Unternehmen wichtig sind. Mein Beitrag soll möglichst vielen dabei helfen, die für sie relevanten Informationen – gefiltert durch meine Forschung – zu erhalten und anzuwenden.

Zweitens Querdenken. Meine Beiträge sollen Menschen dabei helfen, ihren eigenen Standpunkt, ihre (Unternehmens-)Strategien und Pläne für die Zukunft kritisch zu hinterfragen. Dazu zählen alltägliche Fragen wie „möchte ich mein Erbgut entschlüsseln und potentielle Gesundheitsrisiken der Zukunft lange vor ihrem Eintreten kennen?“ bis zu „was bedeutet es für meine Marketing- und Vertriebsstrategie, wenn ein chinesischer Handelsriese in den europäischen Markt eintritt?“ Wichtig ist mir der offene, progressive Diskurs über Zukunftsfragen.

Meine Beiträge sollen dabei helfen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern mit einem Informationsvorsprung den Status Quo auf einer neuen Grundlage und mit frischer Perspektive neu zu bewerten. Ich leiste so gesehen einen Beitrag dazu, das Leben oder die Welt nicht als determinierte, vorbestimmte Umgebung hinzunehmen, sondern als gestaltbares Szenario.

Das klingt nach einer Sisyphos-Aufgabe!

(lacht) Das stimmt. Ich mache mir keine großen Hoffnungen, jeden Menschen zu erreichen. Natürlich wäre das toll. Aber es geht mir nicht um Masse, sondern Klasse. Wenn jeder meiner Zlog-Beiträge oder Vorträge bei 5% der Rezipienten diesen Effekt auslöst, ist schon viel erreicht. Und das funktioniert auch, wenn ich mir die Zuschriften, Feedbacks und langfristigen Kundenbeziehungen nach nur wenigen Jahren im Markt ansehe. Abgesehen davon bin ich, um im Bild zu bleiben, ein glücklicher Fels-Schieber, da im Gegensatz zu Sisyphos mein Fels nicht nach jedem Versuch ins Tal hinunterrollt; der Gipfel ist nur einfach unheimlich hoch.

Insbesondere in Zeiten von Fake News und einer unheimlichen Informationsschwemme fällt es wohl niemandem mehr leicht, sich ein unabhängiges Urteil zu bilden. Zu viele Informationsquellen überfordern viele Menschen… wo findet man eigentlich noch unabhängigen Journalismus, was ist in Wirklichkeit eine Verschwörung der Regierung und wer hat eigentlich gesagt, dass die Erde wirklich eine Kugel ist? Ich bin überzeugt davon, dass das globale Wissenschaftsmetier längst die Antworten darauf hat. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse werden erst publiziert, nachdem andere Wissenschaftler*innen im peer-review-Verfahren die Ergebnisse bestätigt haben. Nur solche schaffen es in meine Äußerungen, angereichert durch Entscheidungen aus Wirtschaft und Politik und gelegentlich verirrt sich auch mal eine quantitative Statistik in die Argumentationskette. Ich wünsche mir, dass dieses Fundament auch im politischen Betrieb mehr Zuspruch findet.

Woran misst du gute Zukunftsforschung?

Gute Zukunftsforschung will mit ihren Prognosen und Szenarien nicht Recht haben, sondern Entscheidungsgrundlagen im Hier und Jetzt schaffen. Manchmal soll das Ziel der Zukunftsforschung gerade auch sein, ein Zukunftsszenario zu verhindern, wie das Beispiel „Die Grenzen des Wachstums“ zeigt. Gute Zukunftsforschung kann jederzeit den Nachweis dafür liefern, wie sie zu ihren Erkenntnissen gelangt ist. Anders als bei den meisten anderen Wissenschaften zeichnet sich die Zukunftsforschung ja dadurch aus, dass ihr Forschungsobjekt, die Zukunft bzw. Zukünfte, nicht existiert und nie existieren kann. Deshalb achten Zukunftsforscher*innen penibel darauf, ihre Annahmen auf ein möglichst solides Fundament aus verwendeten Quellen und fremden Gedanken zu stellen sowie den Weg zur Erkenntnis plausibel und nachvollziehbar darzulegen. Ungefähr da verläuft die Grenze zur Trendforschung, die stärker auf Meinungen basiert und durch Interessen getrieben ist.

Schließlich orientiert sich die Zukunftsforschung einerseits an ethischer Objektivität – sollte es sie geben – und an universellen Werten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der westlichen Welt der Einfluss der religiösen Institutionen immer stärker zurückgegangen, was ich einerseits aus einer philosophischen Perspektive begrüße. Andererseits ist es bisher keiner vergleichbaren Institution gelungen, dieses Vakuum mit „neuen“ Werten zu füllen. Dabei verfügt die Weltgemeinschaft nicht zuletzt mit der UN-Menschenrechtscharta über einen Konsens. Er wird nur aus meiner Sicht zu wenig und zu inkonsequent vermittelt.

Wie bist du auf deinen Beruf gekommen?

Ich hatte einen Lieblingslehrer am Gymnasium, der unsere Klasse (die erste bilinguale Projektklasse im Bundesland) ursprünglich bis zum Abitur führen sollte und uns unheimlich gefördert und gefordert hat. Nach der 8. Klasse verstarb er ganz plötzlich und viel zu früh. Eine seiner ganz zentralen Botschaften, an die ich mich oft erinnere und die mich sehr geprägt hat, lautete: „be prepared„, die alte Pfadfinder-Maxime. Nach dem Abi habe ich dann bald aus purem Interesse und entgegen meiner eigentlichen Neigung zur Informatik in Potsdam das Studium der Soziologie und Politik-/Verwaltungswissenschaften durchgezogen. Das hatte offen gestanden praktisch gar nichts mit Zukunft zu tun.

Im letzten Bachelor-Semester bin ich ganz zufällig auf den relativ neuen Masterstudiengang Zukunftsforschung an der Freien Uni in Berlin gestoßen und habe eine Informationsveranstaltung besucht. In dem Moment war mir klar, dass ich mich einschreiben muss. Gesagt, getan. Für mich ist Zukunftsforschung schon immer die Verkettung wissenschaftlicher Evidenz mit weitestgehend normativer, aber unabhängiger Zukunftsgestaltung gewesen. Außerdem trage ich diese intrinsische Motivation in mir, die Welt retten zu wollen (lacht) und dieser Weg erschien mir schon damals als funktionierendes Vehikel auf dem Weg dahin.

Was rätst du jungen Menschen für die Zukunft, wenn sie kurz vor dem Schulabschluss stehen?

Tatsächlich ist das eine der häufigsten Fragen, die mir nach meinen Auftritten gestellt werden. „Was soll meine Tochter studieren?“ – ganz ehrlich, darauf gab es noch nie eine allgemeingültige Patent-Antwort und die wird es nie geben. Ich frage dann immer: „Was macht ihre Tochter denn gern, wo liegen ihre Interessen und Stärken?“ und in der Regel steckt die Antwort dann im Gesagten.

Viel wichtiger als das Studien- oder Ausbildungsfach sind die Softskills. Es ist unwahrscheinlich, dass Jugendliche den Beruf, den sie nach der Schule erlernen oder studieren, bis zu ihrer Rente durchführen werden. Gleichzeitig sind die kommenden Generationen von Arbeitnehmern wertvoller denn je für den Arbeitsmarkt, weshalb sie sich ihre Anstellung immer mehr selbst aussuchen und diese auch selbst gestalten werden. Das Stichwort „New Work“ bringt die Perspektiven von Arbeitnehmern und Arbeitgebern insofern zusammen, als der Stellenwert individueller Glückseligkeit historisch gesehen zum ersten Mal eine Rolle spielt; zusätzlich reagieren Arbeitgeber vermehrt auf die menschlichen Bedürfnisse ihrer heutigen und künftigen Arbeitnehmer.

Unterm Strich kann ich mich bei der Frage nur wiederholen: Offenheit für die Zukunft, Neugier, Lust zu lernen, eine gesunde Prise Selbstbewusstsein und natürlich soziale Fähigkeiten und Empathie sind viel wichtiger als ein Zertifikat. Naja, in Deutschland vielleicht genauso wichtig (lacht).

Und was sagst du Menschen, die Angst vor der Zukunft haben?

An der Stelle finde ich mich oft in der Rolle eines Therapeuten wieder. Viele Menschen machen sich Sorgen über potentielle Zukünfte, haben ein flaues Gefühl in der Magengrube, wenn ich über künstliche Intelligenz oder selbstfahrende Fahrzeuge spreche oder schreibe. An der Stelle muss jeder mal in sich hineinfühlen und offen hinterfragen, woher dieses Gefühl genau rührt. Natürlich sind wir durch die äußeren Umstände immer mehr dazu angehalten (oder getrieben), unsere Komfortzonen zu verlassen. Das wird sich auch nie ändern: Säugetiere sind darauf „programmiert“, in ihrem natürlichen Habitat Sicherheit herstellen zu wollen, also in der Komfortzone zu bleiben und ihre Rolle auszufüllen. Die menschliche Spezies entwickelt sich allerdings ein bisschen aus diesem Raster heraus und steht heute – während der beispiellosen Transformation der digitalen Ära – am Scheideweg.

Ich sage ja immer, dass Zukunft eine Frage der Perspektive ist. Entsprechend entgegne ich ängstlichen Menschen folgendes: denken Sie doch mal andersherum. Was wäre, wenn genau das Gegenteil Ihrer Zukunftsidee eintritt? Und welchen Teil können Sie dazu beitragen, dass Ihre Utopie eintritt? Und dann akzeptiere ich auch keine resignierte Antwort, man könne doch nichts ändern. Der berühmteste Wissenschaftler unserer Epoche war durch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) an den Rollstuhl gefesselt, die derzeit einflussreichste Klimaaktivistin ist noch schulpflichtig, die für mich inspirierendste Menschen- und Frauenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin stammt aus einem krisengeplagten, damals Taliban-kontrollierten Tal in Pakistan. Die Liste ist beliebig erweiterbar – warum machen wir uns lieber Sorgen anstatt zu handeln?

Kai Gondlach

Master of Arts Zukunftsforschung
Experte für Zukunftsforschung und passionierter Keynote Speaker.

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